Solar für die Landwirtschaft: So profitieren Schweizer Bauern von Solarenergie

28. Februar 2026 · 10 Min. Lesezeit

Die Schweizer Landwirtschaft steht vor grossen Herausforderungen: steigende Energiekosten, Klimawandel und der Druck zur Nachhaltigkeit. Solaranlagen bieten Landwirtschaftsbetrieben eine attraktive Möglichkeit, Stromkosten zu senken, ein zusätzliches Einkommen zu generieren und den ökologischen Fussabdruck zu reduzieren. Von der klassischen Dachmontage auf Scheune und Stall bis zur innovativen Agri-Photovoltaik – die Möglichkeiten sind vielfältig.

Scheunendächer: Das ungenutzte Gold der Landwirtschaft

Landwirtschaftliche Gebäude verfügen über grosse, oft südausgerichtete Dachflächen. Scheunen, Ställe und Maschinenhallen bieten zusammen oft mehrere hundert Quadratmeter nutzbare Fläche. Da diese Gebäude ausserhalb von Bauzonen liegen, gelten vereinfachte Bewilligungsverfahren: In der Landwirtschaftszone sind Solaranlagen auf bestehenden Gebäuden in den meisten Kantonen lediglich meldepflichtig.

Ein typischer Hof mit Scheune und Stall kann eine Anlage von 50 bis 150 kWp realisieren. Bei Gestehungskosten von 8–12 Rappen pro kWh und einem Netzstrompreis von 25–30 Rappen ergibt sich eine jährliche Ersparnis von CHF 10’000 bis 30’000 – ein erheblicher Beitrag zum Betriebsergebnis.

Agri-Photovoltaik: Doppelnutzung von Landwirtschaftsflächen

Agri-PV ist ein innovatives Konzept, bei dem Solarmodule über landwirtschaftlichen Nutzflächen installiert werden. Die Module werden in einer Höhe von 3 bis 5 Metern montiert, sodass darunter weiterhin Anbau oder Viehwirtschaft möglich ist. In der Schweiz wird Agri-PV zunehmend erforscht und gefördert, insbesondere in Kombination mit Obst- und Beerenkulturen.

Vorteile der Agri-PV für Schweizer Betriebe:

Stromverbraucher auf dem Bauernhof

Moderne Landwirtschaftsbetriebe sind energieintensiver als oft angenommen. Typische Verbraucher mit hohem Eigenverbrauchspotenzial:

Förderung für landwirtschaftliche Solaranlagen

Landwirtschaftsbetriebe profitieren von denselben Bundesförderungen wie Gewerbebetriebe. Zusätzlich gibt es spezifische Vorteile:

Einmalvergütung Pronovo: Standard-EIV wie für alle gewerblichen Anlagen (20–30% der Investition).

Steuerabzug: Die Investition ist bei bestehenden Gebäuden steuerlich absetzbar. Landwirtschaftliche Einkommen werden oft zum reduzierten Satz besteuert.

Kantonale Landwirtschaftsförderung: Einige Kantone wie Bern und Graubünden bieten zusätzliche Förderung für landwirtschaftliche Energieprojekte.

Agri-PV-Forschungsförderung: Das BLW und das BFE unterstützen Pilotprojekte im Bereich Agri-PV mit Zusatzbeiträgen.

Bewilligungen in der Landwirtschaftszone

Solaranlagen auf bestehenden landwirtschaftlichen Gebäuden gelten in den meisten Kantonen als zonenkonform und benötigen lediglich eine Baumeldung. Allerdings gibt es Einschränkungen: In Landschaftsschutzzonen, bei denkmalgeschützten Gebäuden oder bei Freiflächenanlagen sind die Anforderungen strenger. Die Kantone Wallis und Graubünden haben für alpine Solaranlagen spezielle Regelungen geschaffen, die Grossanlagen in den Bergen ermöglichen.

Alpine Solaranlagen: Strom aus den Bergen

Alpine Solaranlagen oberhalb der Nebelgrenze produzieren bis zu 40% mehr Strom als Anlagen im Mittelland – besonders im Winter, wenn der Strom am wertvollsten ist. Die Kombination aus höherer Sonneneinstrahlung, kühleren Temperaturen (höherer Modulwirkungsgrad) und Reflexion durch Schnee macht Berganlagen besonders ertragreich. Für Alpwirtschaftsbetriebe bieten sich Anlagen auf bestehenden Alphütten, Ställen oder als Freiflächenanlagen an.

Praxisbeispiel: Milchwirtschaftsbetrieb im Emmental

Betrieb: 35 Milchkühe, Scheune und Stall, 600 m² Süddach

Anlage: 85 kWp auf Scheunendach

Jährlicher Ertrag: 80’000 kWh

Eigenverbrauch (Melkroboter, Kühlung, Belüftung): 45%

Bruttoinvestition: CHF 110’000

Nettoinvestition nach Förderung: CHF 62’000

Jährliche Erlöse (Eigenverbrauch + Einspeisung): CHF 16’500

Amortisation: ca. 3,8 Jahre

Herausforderungen und Lösungen

Landwirtschaftliche Solaranlagen bringen spezifische Herausforderungen mit sich, die sich aber lösen lassen:

Fazit: Solar als zweites Standbein für Bauern

Für Schweizer Landwirtschaftsbetriebe ist Solarenergie längst mehr als nur Öko-Image: Sie ist ein handfestes Standbein mit stabilen Einnahmen über Jahrzehnte. Ob als Eigenverbrauchsanlage zur Senkung der Betriebskosten oder als Einkommensquelle durch Netzeinspeisung und Dachmiete – die Solaranlage auf dem Bauernhof ist eine der rentabelsten Investitionen in der Landwirtschaft. Mit den attraktiven Förderprogrammen 2026 und den vereinfachten Bewilligungsverfahren war der Einstieg noch nie so einfach.

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