Gewerbliche Flachdächer sind die idealen Standorte für Solaranlagen. Ohne Gauben, Kamine oder komplexe Dachgeometrien bieten sie maximale nutzbare Fläche bei minimaler Verschattung. Doch die Montage auf dem Flachdach unterscheidet sich grundlegend von der Schrägdachmontage. In diesem Leitfaden erklären wir alles, was Sie über Flachdach-PV für Gewerbegebäude wissen müssen.
Aufständerung: Süd oder Ost-West?
Die grundlegendste Entscheidung bei der Flachdach-PV betrifft die Ausrichtung der Module. Zwei Konzepte dominieren den Markt:
Süd-Aufständerung (10–15 Grad)
Die klassische Variante richtet die Module nach Süden aus mit einer Neigung von 10 bis 15 Grad. Vorteile: maximaler Ertrag pro Modul (ca. 950–1’000 kWh/kWp im Mittelland). Nachteil: grössere Reihenabstände nötig, um Eigenverschattung zu vermeiden. Dadurch kann nur etwa 60–70% der Dachfläche belegt werden.
Ost-West-Aufständerung (10 Grad)
Bei der Ost-West-Aufstellung werden Module in zwei Richtungen geneigt und Rücken an Rücken montiert. Vorteile: bis zu 30% mehr installierte Leistung auf derselben Fläche, gleichmässigere Tagesproduktion (morgens Ost, abends West), geringere Windlast. Nachteil: ca. 10% weniger Ertrag pro Modul. Für die meisten Gewerbebetriebe überwiegen die Vorteile der höheren Gesamtleistung.
Empfehlung für Gewerbe: Ost-West-Aufstellung ist in 80% der Fälle die wirtschaftlichere Lösung, da sie mehr Gesamtleistung bei gleichmässigerer Produktion ermöglicht. Süd-Aufstellung lohnt sich bei begrenztem Budget oder wenn die Dachfläche ohnehin ausreicht.
Montagesysteme für Flachdächer
Für Gewerbe-Flachdächer stehen verschiedene Montagesysteme zur Verfügung:
Ballastierte Systeme
Die am häufigsten eingesetzte Variante: Leichtgewichtige Kunststoff- oder Aluminiumwannen werden auf die Dachabdichtung gelegt und mit Betonsteinen beschwert. Keine Dachdurchdringung nötig – die Dachhaut bleibt intakt. Gesamtlast: 12–18 kg/m² je nach Windzone. Hersteller wie K2 Systems, Mounting Systems und Schletter bieten optimierte Systeme für Gewerbedächer.
Aerodynamische Systeme
Moderne aerodynamische Montagesysteme nutzen die Windströmung, um den Anpressdruck zu erhöhen. Dadurch wird weniger Ballast benötigt, was das Dach entlastet. Systeme wie das Flat Direct von K2 oder das FixGrid von Mounting Systems reduzieren die Dachlast auf unter 12 kg/m².
Befestigte Systeme
Bei Dächern mit Trapezblech können die Module direkt an den Dachrippen befestigt werden. Das spart Ballast und Montagezeit. Allerdings muss die Dachhülle durchdrungen werden, was eine fachgerechte Abdichtung erfordert.
Statik: Was trägt das Dach?
Die Tragfähigkeit des Dachs ist der kritische Faktor bei jeder Flachdach-PV-Anlage. Gewerbliche Flachdächer werden nach SIA-Norm (Schweizerische Ingenieur- und Architektenverein) dimensioniert und müssen neben ihrem Eigengewicht auch Schnee-, Wind- und Nutzlasten tragen. Die zusätzliche Last der Solaranlage (10–20 kg/m²) muss in der Statikberechnung nachgewiesen werden.
Häufige Dachtypen im Gewerbe und ihre Eignung:
- Betonflachdach: Ausgezeichnete Tragfähigkeit, problemlos für Solaranlagen geeignet. Reserven oft vorhanden.
- Stahlleichtdach (Trapezblech): Begrenzte Reserven, leichtgewichtige Systeme erforderlich. Statiknachweis zwingend.
- Holzdach: Variable Tragfähigkeit, individuelle Prüfung notwendig. Brandschutzauflagen beachten.
- Sandwichpaneel: Oft geringe Reserven, spezielle Befestigungspunkte an der Unterkonstruktion nötig.
Dachabdichtung und Schutz
Die Dachabdichtung muss während der gesamten Lebensdauer der Solaranlage (30+ Jahre) intakt bleiben. Bei der Installation ist daher besondere Sorgfalt geboten. Unter ballastierten Systemen werden Schutzmatten verlegt, die Punktlasten verteilen und die Abdichtung vor mechanischer Beschädigung schützen. Ist die bestehende Abdichtung älter als 15 Jahre, empfehlen Experten eine gleichzeitige Dachsanierung – das spart langfristig Kosten, da die Module sonst später für die Sanierung demontiert werden müssen.
Brandschutz nach VKF
Die Brandschutzrichtlinien der VKF stellen spezifische Anforderungen an Solaranlagen auf Flachdächern. Mindestabstände zu Dachkanten, Lichtkuppeln und Brandmauern müssen eingehalten werden. Bei brennbaren Dachabdichtungen (z.B. Bitumen) gelten strengere Auflagen als bei nicht brennbaren Materialien. Der Solarplaner muss die kantonalen Brandschutzvorschriften kennen und in der Planung berücksichtigen.
Kombination mit Dachbegrünung
Die Kombination von Solar und Dachbegrünung – das sogenannte Biosolar-Dach – wird zunehmend beliebt und ist in einigen Kantonen bei Neubauten vorgeschrieben. Die Begrünung dient als zusätzlicher Ballast (weniger Betonsteine nötig), kühlt die Module durch Verdunstung (1–3% Mehrertrag) und verbessert die Biodiversität. Spezielle Montagesysteme wie das Zinco-Solargründach ermöglichen die Integration beider Systeme.
Rechenbeispiel: Ost-West-Anlage auf Gewerbehalle
Dachfläche: 2’000 m² Flachdach mit Bitumenabdichtung
Nutzbare Fläche (nach Abzügen): 1’700 m²
Belegung Ost-West: 280 kWp (vs. 200 kWp bei Süd-Ausrichtung)
Jährlicher Ertrag: 245’000 kWh (Ost-West) vs. 195’000 kWh (Süd)
Investition: CHF 310’000 (Ost-West) vs. CHF 240’000 (Süd)
Jährliche Ersparnis (80% Eigenverbrauch): CHF 48’000 vs. CHF 38’000
Amortisation (netto nach Förderung): 3,5 Jahre (Ost-West) vs. 3,8 Jahre (Süd)
Wartung und Zugang
Flachdächer bieten gegenüber Schrägdächern den grossen Vorteil des einfachen Zugangs. Die Module können problemlos begangen, gereinigt und gewartet werden – ohne Gerüst oder Seilsicherung. Allerdings muss gemäss SUVA-Vorschriften ein Absturzsicherungssystem installiert werden (Geländer, Seilsicherung oder Einzelanschlagpunkte). Diese Kosten von CHF 3’000 bis 10’000 sollten in der Kalkulation berücksichtigt werden.
Fazit: Flachdächer sind ideal für Gewerbe-PV
Gewerbliche Flachdächer bieten die besten Voraussetzungen für effiziente und wirtschaftliche Solaranlagen. Die Wahl zwischen Süd- und Ost-West-Aufstellung, das richtige Montagesystem und eine sorgfältige Statikprüfung sind die Schlüsselfaktoren für den Projekterfolg. Mit einem erfahrenen Solarplaner und der richtigen Strategie wird das Flachdach zum Kraftwerk auf dem eigenen Dach.
Flachdach-Potenzial berechnen
Erfahren Sie, wie viel Leistung und Ertrag Ihr Flachdach liefern kann – kostenlos und unverbindlich.
Jetzt kostenlos berechnen →