Nicht jedes Unternehmen verfügt über die finanziellen Mittel oder die Bereitschaft, eine grosse Solaranlage selbst zu finanzieren. Genau hier setzen Dachmiete und Solar-Contracting an – zwei Modelle, die es ermöglichen, das eigene Firmendach für die Solarstromproduktion zu nutzen, ohne selbst investieren zu müssen.
Was ist Dachmiete?
Bei der Dachmiete vermieten Sie die Dachfläche Ihres Gebäudes an einen Investor oder Energieversorger. Dieser errichtet auf eigene Kosten eine Solaranlage, betreibt sie und speist den Strom ins Netz ein. Sie als Gebäudeeigentümer erhalten eine jährliche Dachmiete – typischerweise CHF 3 bis 8 pro Quadratmeter Dachfläche und Jahr.
Die Verträge laufen in der Regel 20 bis 25 Jahre. Nach Ablauf geht die Anlage häufig in Ihr Eigentum über oder wird vom Betreiber rückgebaut. Die Dachmiete eignet sich besonders für Gebäudeeigentümer, die keinen hohen Eigenverbrauch haben – etwa bei Lagerflächen mit geringem Strombedarf.
Was ist Solar-Contracting?
Beim Contracting errichtet ein Dritter (Contractor) eine Solaranlage auf Ihrem Dach und verkauft Ihnen den produzierten Strom zu einem vertraglich vereinbarten Preis. Dieser Preis liegt in der Regel 10–20% unter dem lokalen Netzstrompreis. Sie sparen also ab dem ersten Tag Stromkosten, ohne selbst investieren zu müssen.
Der Contractor übernimmt Planung, Installation, Wartung und Finanzierung. Sie als Unternehmen profitieren von günstigerem Strom und einem grüneren Image, ohne Risiken oder Kapitalbindung. Nach Vertragsende können Sie die Anlage oft zu einem Restwert übernehmen.
Vergleich der Modelle
Eigenkauf: Höchste Rendite (8–15% ROI), volles Risiko, volle Kontrolle. Ideal bei ausreichend Kapital und hohem Eigenverbrauch.
Contracting: Keine Investition, sofortige Kosteneinsparung (10–20%), Contractor trägt Risiko. Ideal bei hohem Eigenverbrauch aber wenig Kapital.
Dachmiete: Keine Investition, passive Einnahmen (CHF 3–8/m²), kein eigener Solarstrom. Ideal bei niedrigem Eigenverbrauch.
Leasing: Eigentum nach Leasingdauer, Raten aus Stromersparnis finanziert. Ideal als Mittelweg zwischen Kauf und Contracting.
Contracting-Anbieter in der Schweiz
Der Schweizer Markt für Solar-Contracting wächst stetig. Zu den etablierten Anbietern gehören grosse Energieversorger wie BKW, EKZ, CKW und Alpiq, aber auch spezialisierte Unternehmen. Bei der Wahl des Contractors sollten Sie auf folgende Punkte achten:
- Strompreis: Wie hoch ist der vertraglich vereinbarte kWh-Preis? Gibt es eine Preisanpassungsklausel?
- Vertragsdauer: 15–25 Jahre sind üblich. Kürzere Laufzeiten bedeuten höhere Strompreise.
- Wartung: Ist die gesamte Wartung inklusive? Wer trägt das Risiko bei Defekten?
- Übernahme: Zu welchen Konditionen können Sie die Anlage nach Vertragsende übernehmen?
- Mindestabnahme: Müssen Sie eine Mindestmenge Solarstrom abnehmen?
- Bonität: Ist der Contractor finanziell stabil für die gesamte Vertragslaufzeit?
Steuerliche Aspekte
Beim Contracting und bei der Dachmiete gelten andere steuerliche Regeln als beim Eigenkauf. Die Dachmiete wird als Einkommen versteuert. Beim Contracting-Modell können Sie die Stromkosten wie bisher als Betriebsaufwand geltend machen. Den steuerlichen Investitionsabzug können Sie bei diesen Modellen jedoch nicht nutzen – dieser steht nur dem Anlageneigentümer zu.
Rechtliche Rahmenbedingungen
Sowohl Dachmiete als auch Contracting erfordern sorgfältige vertragliche Regelungen. Wichtige Punkte sind die Grundbuchregelung (Dienstbarkeit oder persönliches Recht), die Versicherungszuständigkeit, die Haftung bei Dachschäden und die Regelung bei vorzeitiger Vertragsauflösung. Lassen Sie den Vertrag von einem spezialisierten Anwalt prüfen.
Ein häufig übersehener Punkt: Bei einem späteren Verkauf der Immobilie muss der bestehende Contracting- oder Dachmietevertrag übernommen oder aufgelöst werden. Dies sollte frühzeitig im Vertrag geregelt werden.
Praxisbeispiel: Logistikhalle in Aargau
Ein mittelgrosses Logistikunternehmen im Kanton Aargau stellte seine 3’500 m² grosse Hallenfläche einem Contractor zur Verfügung. Innerhalb von drei Monaten wurde eine 450-kWp-Anlage installiert. Das Unternehmen bezieht den Solarstrom zum Preis von 16 Rappen pro kWh – bei einem lokalen Netzstrompreis von 24 Rappen. Die jährliche Ersparnis beträgt rund CHF 28’000, ohne dass ein einziger Franken investiert werden musste.
Fazit: Welches Modell passt zu Ihrem Unternehmen?
Die Wahl des richtigen Modells hängt von Ihrer finanziellen Situation, dem Eigenverbrauchsprofil und Ihren strategischen Zielen ab. Bei hohem Eigenverbrauch und verfügbarem Kapital ist der Eigenkauf am rentabelsten. Wenn das Kapital fehlt aber der Eigenverbrauch hoch ist, bietet Contracting die beste Lösung. Bei geringem Eigenverbrauch ist die Dachmiete eine sinnvolle Alternative, um das ungenuzte Dach zu monetarisieren.
Welches Modell passt zu Ihrem Betrieb?
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Bei einem Dachmietvertrag in der Schweiz sollten Sie auf mehrere wichtige Punkte achten. Die Vertragslaufzeit beträgt typischerweise 20 bis 25 Jahre, da sich die Solaranlage über diesen Zeitraum amortisiert. Die jährliche Dachmiete liegt je nach Kanton und Dachgrösse bei CHF 2’000 bis CHF 8’000. Wichtig ist die Regelung der Wartungspflichten: Der Contractor übernimmt in der Regel alle Kosten für Wartung und Reparatur der Anlage. Prüfen Sie auch die Versicherungsklauseln – die Anlage sollte gegen Hagel, Sturm und Blitzschlag versichert sein. Am Ende der Vertragslaufzeit geht die Anlage üblicherweise kostenlos an den Dacheigentümer über. Lassen Sie den Vertrag von einem Anwalt prüfen, der mit Schweizer Energierecht vertraut ist.